Bei DariaTV geht es um Immobilien, Unternehmertum, Community und den Weg in die USA. Ein neues Format widmet sich dem Fundament hinter allen Plänen: der eigenen Identität.
Wer bist du? Die meisten beantworten diese Frage mit ihrem Beruf. Ich bin Ärztin. Ich bin Unternehmer. Ich baue gerade etwas auf. Solange alles läuft, reicht diese Antwort. Sie reicht genau bis zu dem Tag, an dem der Job wegfällt, die Position oder die Gesundheit.
Jutta Burmeister kennt diesen Tag. Sie saß ihrer Coachin gegenüber, ausgebrannt nach zwanzig Jahren als Unternehmerin, und sagte, was ihr vernünftig erschien: Ich muss weniger arbeiten. Die Coachin fragte zurück: „Und was machst du dann mit deiner Zeit?“
Darauf hatte sie keine Antwort.
„Ich habe festgestellt, dass ich alle meine Hobbys verloren hatte“, sagt sie. Ihre Interessen hatte sie über Jahre liegen lassen. Und wer sie ohne die Rolle der Unternehmerin wäre, dazu fiel ihr nichts ein. Das war 2008, nach einem körperlichen Zusammenbruch. Für sie war es der Anfang eines neuen Lebens.
Heute gestaltet Jutta Burmeister neben ihren vielen Verantwortlichkeiten unter anderem bei DariaTV das Format „True Identity“. Darin geht es um eine Frage, die zwischen Zahlen und Plänen selten vorkommt: Wer bist du eigentlich, wenn du gerade nichts vorzuweisen hast?
Zwei Arten von Freiheit
Die meisten kommen zu DARIA, weil sie an ihrer finanziellen Lage etwas ändern wollen. Eigentum in Florida, ein zweites Standbein, Wissen, das zu Hause schwer zu finden ist. Das ist ein guter Grund, und wir arbeiten jeden Tag daran, dass er trägt.
Jutta Burmeister setzt daneben eine zweite Größe. Sie nennt sie emotionale Freiheit, und sie meint damit etwas sehr Nüchternes: die Fähigkeit, dir selbst zu vertrauen, wenn gerade kein Erfolg von außen das bestätigt.
„Ganz oft denken Menschen, sie müssten erst Geld verdienen, eine Position haben, einen neuen Job, einen Partner, um dann etwas zu sein“, sagt sie. Ihre Erfahrung geht in die andere Richtung. Wer innerlich gefestigt ist, baut leichter auf. Wer sich beweisen muss, baut unter Druck.
Der Unterschied zeigt sich, sobald etwas wegbricht. Das Geld, die Gesundheit, die Beziehung, der Job. „Was ich bin, kann ich nicht verlieren“, sagt sie. „Verlieren kann ich meine Position, meine Rolle oder das, was andere über mich glauben.“
Vom sicheren Schreibtisch in die Selbstständigkeit
Ihr eigener Weg begann im öffentlichen Dienst, in einer Rechtsabteilung. Gut bezahlt, sicher. Ihre Eltern atmeten auf, das Kind war untergekommen. Sie selbst langweilte sich zu Tode.
Nicht wegen der Themen. Wegen der Antwort, die sie bekam, wenn sie etwas verbessern wollte: Das war schon immer so. Ihre Arbeit hatte sie oft nach drei Stunden erledigt, das Gehalt lief für den ganzen Tag. „Wenn ich mir überlegt habe, ich sitze noch vierzig Jahre auf diesem Stuhl, war das für mich unmöglich.“
Also kündigte sie, ohne genau zu wissen, was danach kommt. Sie landete im Investmentvertrieb, gründete Firmen, brachte sich Recht, Steuern, Organisation und Führung bei. Zwanzig Jahre lang hat das funktioniert, im doppelten Sinn. „Ein Unternehmer wird nicht krank“, sagt sie über ihre damalige Haltung. „Ohne mich geht es ja nicht.“
Bis nichts mehr ging. Dann kam das Stopp-Zeichen von ihrem Körper.
Nach dieser Erfahrung machte sie eine Ausbildung nach der anderen: Coaching, Hypnose, systemische Arbeit, dazu die Heilpraktikererlaubnis für Psychotherapie. Sie wollte verstehen, wie Krankheit entsteht und was ein Mensch braucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Ihr Fazit klingt unspektakulär, ist aber für viele im Alltag schwer einzulösen: „Die erste Fürsorgepflicht, die ich habe, ist die für mich selbst.“
Wer über seine Grenzen geht, ist für niemanden mehr gut da. Weder für Mitarbeiter noch für Kunden.
Das Taschentuch
An einer Stelle ihres Vortrags greift Jutta Burmeister zu einem Taschentuch. So rein, sagt sie, kommt jeder Mensch auf die Welt.
Dann kommen Eltern, die es gut meinen und dir sagen, was richtig ist und was falsch. Die Schule, die dich bittet, still zu sitzen. Die erste Beziehung, die erste Enttäuschung, der erste Job. Und irgendwann, sagt sie, ist aus dem glatten Tuch ein kleiner, zerknautschter Klumpen geworden, der von sich glaubt, nicht gut genug zu sein.
Sie sucht dabei keine Schuldigen. Sie stellt nur fest, wie wenig davon ausgesucht war.
Selbstbewusst zu sein bedeutet für sie deshalb nicht, im Raum der Sicherste zu sein. Es bedeutet, sich selbst bewusst zu sein. Zu wissen, was du brauchst, was du kannst und wofür du arbeitest. Vier Bereiche prägen dich, lange bevor du selbst darüber entscheidest.
Die Herkunft wirkt weiter, auch wenn du nie erlebt hast, was in deiner Familie passiert ist. Als Jutta Burmeister sich selbstständig machte, war ihre Familie unglücklich. Warum, verstand sie erst Jahre später: Ihr Großvater hatte nach dem Krieg in der Selbstständigkeit alles verloren und Insolvenz anmelden müssen. In einem anderen Familienzweig galt der Grundsatz, Unternehmer beuteten ihre Leute aus. „Ich musste mich da durchkämpfen, weil ich mit der Angst meiner Familie konfrontiert war, die gar nicht meine Angst war.“
Dazu kommt dein Lebensweg: Erziehung, Schule, Beziehungen, das Land, in dem du aufwächst. Nach jeder Verletzung bleibt ein Satz zurück, den du dir fortan selbst erzählst.
Das Umfeld entscheidet mit. Orte, an denen deine Kraft steigt, und Orte, an denen sie versickert. Menschen, bei denen du wächst, und Menschen, bei denen du kleiner wirst.
Und schließlich dein Wesen: Talente, Energie, ein Gefühl dafür, wofür du da bist.
Diese vier Felder liefern keine fertige Antwort. Sie liefern eine Landkarte. „Es hilft dir, dich selbst besser zu verstehen“, sagt sie. Und manchmal hilft es, eine alte Geschichte aufzudecken, die einen früher geschützt hat und heute nur noch bremst.
Was Masken kosten
Der praktische Teil ihrer Arbeit ist unbequemer, als er zunächst klingt. Denn wer nicht weiß, was er wirklich will, trifft Entscheidungen, die für alle Beteiligten teuer werden.
Ihr Beispiel: Jemand wünscht sich Nähe, ein gemeinsames Zuhause, einen Alltag zu zweit. Der Mensch, in den er sich verliebt, will eine Fernbeziehung. Er sagt trotzdem Ja, um diesen Partner nicht zu verlieren. „Das ist Betrug an dir selbst und Betrug am Partner“, sagt sie. Der eine wird unglücklich. Der andere merkt es und weiß nicht, warum.
Dasselbe passiert im Beruf. Bei DARIA gehen viele Bewerbungen ein, und Jutta Burmeister sieht ein Muster: Dieselben Menschen bewerben sich heute auf eine Stelle und morgen auf eine völlig andere. „Ich glaube nicht, dass das alles deine Leidenschaft ist.“ Wenn das Motiv vor allem lautet, irgendwie nach Florida zu kommen, verliert am Ende jeder. Der Bewerber landet in einem Job, der ihn nicht trägt. Und wir bekommen jemanden, der nicht mit seinen besten Fähigkeiten arbeitet.
Ihr Gegenvorschlag ist einfach und unbequem zugleich: erst herausfinden, was du brauchst, kannst und willst. Dann damit rausgehen. „Das bin ich, das kann ich, so möchte ich arbeiten.“ Und dann darf das Gegenüber entscheiden.
Manchmal kommt ein Nein. Das ist in Ordnung. Es ist ehrlich, und es kostet weniger als ein Ja auf falscher Grundlage.
Zwei Jahre Trennung, acht Jahre Nacherzählung
Am deutlichsten wird sie bei den Geschichten, die Menschen jahrelang mit sich herumtragen.
Sie kennt Menschen, deren Scheidung zehn Jahre zurückliegt und die heute noch täglich über den schimpfen, der damals gegangen ist. Zwei Jahre Trennung, acht Jahre Nacherzählung. „Du erzählst dir jeden Tag die Geschichte von dieser schlimmen Person und versaust dir dein eigenes Leben.“
Die Alternative ist keine Schönfärberei. Sie besteht aus zwei Fragen: Was habe ich übersehen? Was mache ich beim nächsten Mal anders? Wer so schaut, kommt aus der Vergangenheit heraus. Wer in ihr bleibt, baut nichts Neues.
Dazu gehört auch der Umgang mit anderen. „Urteile nicht über andere, solange du nicht in ihren Schuhen gelaufen bist.“ Du siehst einen Ausschnitt. Du weißt nicht, welche Verletzungen jemand mitbringt und warum er tut, was er tut.
Warum das bei DARIA einen Platz hat
Jutta Burmeister gehört zur Geschäftsführung von DARIA. Gegründet haben es Frank Rahlf und Patrick Lauber. Frank kennt sie seit über 36 Jahren, und sie begleitet das Projekt von den Anfängen an.
Ihr Grund, dabei zu sein, hat mit dem zu tun, was sie in der Selbstständigkeit gelernt hat. Wer allein arbeitet, ist meist Fachmann in einer Sache und plötzlich zuständig für alles andere. Der Physiotherapeut, der sich selbstständig macht, behandelt nicht mehr nur. Er kümmert sich um Marketing, Buchhaltung, Akquise und irgendwann um Personal. „So viele verschiedene Jobs kann eine Person nicht allein bewältigen.“
Genau deshalb funktioniert eine Community. Verschiedene Leute, verschiedene Fähigkeiten, ein gemeinsames Ziel. In den vergangenen Jahren sind daraus ein eigenes Programm, eine eigene App und ein Sommerfest mit über sechshundert Menschen entstanden. „Wer schafft das allein?“, fragt sie. „Das geht nur gemeinsam.“
So steht neben den Sendungen über Kredite, Immobilien und Firmengründung nun ein Format, in dem es um etwas anderes geht. Um die Frage, die bleibt, wenn die Zahlen stimmen.
Ihr Motto ist dabei so schlicht, dass man es leicht überliest: Sei einfach du selbst. „Es gibt nichts, was ungefährlicher ist“, sagt sie. Wer weiß, wer er ist, muss nicht darauf warten, dass die Umstände es ihm bestätigen.
Rouven Zietz
Communication strategist
Understands communication as a connection - between people, brands and ideas. As a graduate communications expert (M.A.) with a background in journalism and a strategic eye, he has been developing clear, effective concepts for sophisticated communication for 18 years.









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